Entertainment in der Unternehmenskommunikation

Mehr Unterhaltung wagen!

  

Oft werde ich gefragt: Wie passen Unternehmenskommunikation und Entertainment eigentlich zusammen? Ich kann dann immer nur sagen: Hervorragend! Ich möchte das heute etwas ausführlicher begründen und aufzeigen, dass unterhaltende Maßnahmen natürlich in der externen, dann aber auch in der internen Kommunikation ihre Berechtigung haben.

Vorreiter Marketing

Zumindest im Marketing hat das Thema Unterhaltung längst Fuß gefasst. Namhafte Konzerne und Agenturen haben eigene Branded Entertainment-Units in Stellung gebracht - im Wissen, dass 30-Sekunden-Spots allein kaum mehr Wirkung zeigen. Hier werden hollywoodreife Filme gedreht (z.B. Telekom: "Move on"), dort wird auf Werte gesetzt (Volksbanken/Raiffeisenbanken: "Wickert trifft") und mitunter wird sogar ein Mensch ins All gebracht, der dann zurück auf den Erdball hüpft - Entertainment im Namen und im Auftrag von Marken.

Doch wie sieht es abseits solcher aufwändigen, teils extremen Maßnahmen aus? In Unternehmen, die nicht BMW, Apple oder Red Bull heißen? Ist Unterhaltung nur was für PR und Marketing großer Markenartikler? Oder kann sie auch für Mittelständler und sogar intern von Nutzen sein?

Noch unterschätzt: unterhaltsame Mitarbeiterkommunikation

Fakt ist: Mit unterhaltenden Maßnahmen kann man deutlich mehr Aufmerksamkeit erregen als mit reiner Sachinformation, Emotionen hervorrufen und nicht nur die
Marken-, sondern auch die Mitarbeiterbindung stärken. Dass dies oft kein Hexenwerk ist, zeigt folgendes Beispiel:

Vor einiger Zeit war ich als Produzent mit der Erstellung der medialen Inhalte für ein E-Learning-Programm eines Autoherstellers betraut. Fiktive Kundengespräche sollten den Verkäufern in den Autohäusern die Argumentation erleichtern. Die in Bild und Ton zu produzierenden Situationen waren sehr sachlich angelegt und wirkten recht steif. Wir setzten uns deshalb dafür ein, die Dialoge lockerer, humorvoller und dadurch unterhaltsamer zu gestalten. Das Ergebnis gab uns Recht: Die Autohäuser, die das Programm nutzten, gaben allesamt ein positives Feedback und meinten, dieses neue Programm sei das bislang eingängigste und es mache richtig Spaß, damit zu arbeiten.
  

Ein paar Anregungen für Ihre interne Kommunikation

  • Personal Branding

Nicht alle Chefs sind Selbstdarsteller wie Trigema-Boss Wolfgang Grupp. Müssen sie auch nicht sein. Dennoch: In vielen Betrieben ist der Chef/die Chefin noch immer das "unbekannte Wesen da oben". Abhilfe schaffen etwa Videos, in denen der Chef z.B. auf Geschäftsreise gezeigt wird - locker, menschlich, von seiner persönlichen Seite. Oder wie wäre es mit einer Homestory? Was treibt diesen Menschen an? Welche Hobbys pflegt er? Machen Sie ihn zur "Marke"!

Was ungewöhnlich erscheinen mag, schafft Sympathie, die Mitarbeiter erkennen im Chef "einen von ihnen" und können sich mit ihm identifizieren - so wächst Unternehmenskultur!

  • Mitarbeiterinformationen

Gewöhnlich werden diese per Mitarbeiterzeitschrift oder über das Intranet verbreitet. Dementsprechend vielfältig sind die Möglichkeiten, Unterhaltungselemente zu integrieren:

Mitarbeiterzeitschrift

Oft schon zu sehen, aber ausbaubar: Gewinnspiele und Rätsel. Die Mitarbeiter beschäftigen sich spielerisch mit dem Unternehmen und seinen Produkten - besser und einprägsamer kann man Infos kaum vermitteln. Drucken Sie doch mal eine Fotostory, z.B. über den Arbeitsalltag eines Außendienstmitarbeiters. Das ist leichter konsumierbar als ein langer Text und sorgt beim Innendienst vielleicht für Aha-Erlebnisse und mehr Verständnis für die "Kollegen da draußen".

Intranet

In der Regel ist das, was für die Zeitschrift gilt, auch digital darstellbar. Weitere Ideen: Lassen Sie doch mal Ihre Belegschaft raten, welche Ihrer Führungskräfte was gesagt haben könnte? (Einfaches Drag and Drop von witzigen Zitaten auf das Foto des Kopfes mit sofortiger Auflösung, ob richtig oder falsch). Da kommt in der Bürogemeinschaft Stimmung auf. Viel wichtiger indes: Ihre Führungskräfte werden "menschlich" und dadurch sympathisch.

Für das Medium Intranet bieten sich insbesondere Videos an. Warum also filmen Sie nicht Ihr nächstes Teambuilding-Event und stellen es ins Intranet? Das sorgt für Gesprächsstoff und schafft noch nachträglich Verbindung. Gleichzeitig könnte das Video auf einem Monitor in der Kaffee-Ecke laufen.

Oder Sie suchen sich einen besonders sportlichen Mitarbeiter und lassen ihn kleine Übungen vorführen, die ein jeder am Arbeitsplatz nachmachen kann - als einfache und motivierende Health-Initiative...

  • Events

Eine etwas aufwändigere, aber umso wirkungsvollere Maßnahme ist die Inszenierung einer Unterhaltungsshow. Keine Angst, das ist gar nicht so schwer. Spielen Sie bei der nächsten Betriebsfeier doch mal "Wer wird Millionär"? Richtig mit Moderator, Videoleinwand etc. Wenn der Moderator dem Chef dann firmeninternes Wissen abverlangt und das mit der Belegschaft als Publikum, kann es schon aufregend werden...Wichtig ist nur, dass Sie das ganze nicht ins Alberne abdriften lassen. Auf die unterhaltsame, aber intelligente Verknüpfung mit unternehmensrelevanten Inhalten kommt es an.

 

Information & Unterhaltung - Die Mischung macht's

Um eines klar zu stellen: Bei unterhaltenden Maßnahmen geht es nicht darum, als "Fun-Unternehmen des Jahres" dazustehen. Die Maßnahmen müssen bei allem Spaß, den sie vermitteln, stets der übergeordneten Kommunikationsstrategie des Unternehmens folgen und dürfen keinesfalls seine Seriosität und Glaubwürdigkeit in Frage stellen.

Zugegeben, in einer oftmals konservativen Arbeitswelt gehört Mut dazu, Unterhaltung zu wagen. Organisch integriert ist sie aber in jedem Fall ein Gewinn: Sie motiviert und erleichtert den Mitarbeitern den Umgang mit und das Verständnis für relevante Themen. Die Mitarbeiter werden Ihr Unternehmen als dynamisch und zeitgemäß empfinden - etwas, dass reine Sachinformation selten zu leisten imstande ist. Probieren Sie es doch einfach mal aus...

Bildnachweis: © Shockfactor.de / Fotolia.com
   

 

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